Das Laub gesammelt aus fünf Herbsten | Kunst und Deportation - VERLAG RENATE BRANDES IN ALTENRIET

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Das Laub gesammelt aus fünf Herbsten

Kunst und Deportation

Bibliografische Daten:
Dr. Irmgard Sedler
1. Auflage
21,5 cm Breite x 28,5 cm Höhe
272 Seiten
zahlreiche sw- und Farbabbildungen
Hardcover
ISBN 978-3-948818-20-3
€ 37,50 (D)
Das Buch:

Diese Publikation, erschienen anlässlich der gleichlautenden Ausstellung im Siebenbürgischen Museum Gundelsheim von Dezember 2021 bis April 2022, beschreibt die Verbindung von Kunst und Deportation Siebenbürger Sachsen in die sowjetischen Arbeitslager 1945 bis 1949. Neben dem primär ästhetischen Kunsterlebnis und der kunsthistorischen Reflexion gewährt sie dem Leser Anhaltspunkte zum wesentlichen Diskurs über den künstlerischen Akt als Strategie des Überlebens.

Im Mittelpunkt der Präsentation steht der kunstauslösende Antrieb bei Menschen, die sich den Erfahrungshorizont eines Gefangenenlebens teilten, deren Motivation, mit dem Stift auf Papier oder dem Messer auf Holz unter diesen Umständen ein tätiges Schauen zu üben. So unterschiedlich der künstlerische Impetus, die Ausbildung oder aber der ‚Künstlerstatus‘ der internierten Kunstakteure auch war, es einte sie das Grundbedürfnis des kreativen Menschen, über das Schöpferische der Unwürdigkeit des Lagerlebens zu entkommen.

Neben den im Lager entstandenen privaten Arbeiten galt die Aufmerksamkeit einer weiteren Kategorie künstlerischer Betätigung: der Propagandakunst im Auftrag der Lagerleitung. Die ideologische Umerziehung der Internierten, die in den Lagern kompromisslos angegangen wurde, setzte unter anderem auf allgegenwärtige Stalin- und Leninporträts, auf „kunstvoll“ an die Wand gepinselte kommunistische Losungen, auf gemalte Werkchroniken und Wandzeitungsmaterial, überhaupt auf die Kunst als Medium offener Partei- und Regierungspropaganda.

Ein weiterer Schwerpunkt nimmt das Thema „Deportation“ in Kunst und Literatur in den Jahren nach 1949 in Rumänien ins Blickfeld. Die spätestens 1949 aus der Deportation zurückgekehrten Künstler fanden in Rumänien eine geschwächte sächsische Gemeinschaft vor. Mit einem nie dagewesenen Zynismus pervertierte die rumänische Staatspolitik die Leidensgeschichte der Rückkehrer über die Medien Kunst und Literatur. Bei konsequenter Verdrängung aller Leiderfahrungen in den fünf Jahren im Arbeitslager sollten die Rückkehrer als Helden der Arbeit in der Öffentlichkeit dargestellt und in Kunst und Literatur porträtiert werden.

Ein nächstes und wichtiges Kapitel widmet sich jenen Künstlern, die sich erst nach etlichen Jahren des Verstummens wieder des Themas Deportation  anzunehmen wagten. In seinem Spätwerk schaffte der bedeutende Künstler Friedrich von Bömches dann auch die Bewältigung „eines Existenzschocks, für den die Worte nie reichen werden und ihn auch die Bilder noch gerade streifen können“ (Interview mit Bömches in Wiehl 2004). Die Fülle an nachträglichen Lebenserfahrungen – zuerst im Kommunismus in Rumänien, dann in der kapitalistischen Leistungsgesellschaft der Bundesrepublik – haben den alternden Bömches zu einer Grundhaltung geführt, in der die Kunstausübung immer deutlicher als Lebensbewältigung wahrgenommen und gelebt wurde. Spätere Künstlergenerationen – Sachsen wie Rumänen – gingen vor allem nach 1990 auf die Erlebnisse ihrer Eltern und Großeltern in den Kohlebergwerken des Donbass ein und setzten sich mit deren Erinnerungen und Zeugnissen auf unterschiedliche Weise auseinander.

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